• Harald Hauswald · Eisern Union

    Seit 25 Jahren begleitet Harald Hauswald die Entwicklung des FC Union Berlin. Dabei hat er sich eigentlich nie besonders für Fußball interessiert.

    Durch Zufall kam Harald zu seinem ersten Union Spiel. Eine Westjournalistin hatte bei ihm Bilder von einem Match gegen den Dynamo Berlin angefragt. Er fotografierte die Spieler, die Fans, die Flaggen, aber auch die uniformierte Bereitschaftspolizei, die an den Tribünenrändern aufgereiht war, um bei Ausschreitungen einzugreifen. Diese Derbys drohten oft zu eskalieren, hier ging es um mehr als nur Fußball. Der mit Stasigeldern finanzierte FC Dynamo war der erklärte Erzfeind des FC Union, dessen Anhängerschaft ein Sammelbecken für Abweichler und Dissidenten war.
    HH

    Harald Hauswald/OSTKREUZ

     

    Hooliganismus existierte nicht in der DDR. So hieß es offiziell. Über den Filmemacher Ernst Cantzler, für dessen Union Dokumentation er Standfotos machte, lernte Harald die Anführer verschiedener Hooligangruppen kennen. Alles, was es offiziell nicht geben durfte, aber doch irgendwie da war, faszinierte Harald. Er begann, sich für die Geschichte zu interessieren, fuhr zu Auswärtsfahrten nach Magdeburg oder Leipzig, war bei Fandampferfahrten auf dem Müggelsee und Schlägereien in der dritten Halbzeit dabei. Durch seine Kontakte in der Fanszene kam er immer ganz ran, konnte seine Bilder mitten aus dem Gewimmel heraus schießen. Keiner störte sich daran, wenn Harald ihn ablichtete, während er gerade über Absperrungen sprang, oder jemanden blutig schlug. Ohne selbst jemals mitzumischen, war Harald Teil der Szene. Als die Polizei ihm nach einem Spiel in Karl-Marx-Stadt seine Filme abnehmen will, stellen sich die Hools schützend vor ihn.
    HH
    Harald Hauswald/OSTKREUZ


    Mit der Wende begann eine schwierige Zeit für den Verein. Er stieg ab und war hoch verschuldet. Nach den Spielen kam es immer häufiger zu Gewaltexzessen. Eine Zeit, in der zu der Orientierungslosigkeit vieler junger Männer die Verwirrung der Polizei im Osten kam, die sich an das BRD Rechtssystem anpassen musste. Harald war dabei, als die Polizei Unionfans nach einem Spiel gegen den FC Brandenburg in die Tram drängte. Die zwei Brandenburgfans, die allein an der Endhaltestelle standen, nahmen die Beine in die Hand, als sie die mit Unionern gefüllte Tram einfahren sahen. Einer rannte gegen ein Auto und flog fünf Meter durch die Luft. Harald fotografierte, wie ihm zwei Union Fans Erste Hilfe leisteten. Wenige Stunden später starb er im Krankenhaus. Zeitungen rissen das Bild später aus dem Zusammenhang und benutzen es, um die Gewalt zwischen rivalisierenden Fangruppen zu illustrieren.

     HH
    Harald Hauswald/OSTKREUZ


    Seit einigen Jahren hat sich die Stimmung beruhigt bei den Spielen, sie ist geradezu familiär geworden. Die letzten Union Bilder, die Harald gemacht hat, zeigen die Weihnachtsfeier im von den Fans kürzlich renovierten Stadium. Ein Lichtermeer in der Alten Försterei, singende Fans und auf den Schultern Kinder. Von Hooligans keine Spur.

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