• Erste Presse · OSTKREUZ 1990

    Ausmisten im OSTKREUZ-Archiv. Die Photonews vom September 1990 flog schon in Richtung Papierkorb, da blieb ein aufmerksames Auge an der Titelgeschichte hängen: „OSTKREUZ: Eine Ostberliner Fotografenagentur“. Ein Porträt, wenige Monate nach unser Gründung, das verblüffend viel von dem enthält, was auch heute noch charakteristisch für OSTKREUZ ist; der Wunsch, „dem Markt die Stirn zu bieten, ohne das Eigene aufzugeben“, die Pflege der Individualität des einzelnen Fotografen bei Verweigerung eines einheitlichen Gruppenstils, das stetige Ausgehen von einem persönlichen Anliegen, einer persönlichen Betroffenheit.

    Der Autor Wolfgang Kil blieb OSTKREUZ übrigens bis heute verbunden. Zuletzt  schrieb er das Essay für Werner und Ute Mahlers Buch „Monalisen der Vorstädte“.

    photonews 1990

    photonews 1990

  • Vor 20 Jahren - Die Zeitschrift "Fotografie"

    Unserer Mitarbeiterin Susanne Strauch war auf der Suche nach einer schönen Kommode auf einem Trödelmarkt in Brandenburg, als sie zwischen Lampen und Besteck einige Ausgaben der ostdeutschen Zeitschrift "Fotografie" entdeckte und uns mitbrachte.

    Die Zeitschrift "Fotografie" aus dem VEB Fotokinoverlag in Leipzig war die auflagenstärkste Fotozeitschrift in der DDR und erreichte mit einem Exportanteil von 40% auch ein größeres Publikum im Westen. Nach der Wende und dem Verkauf des Verlags an den Verlag TÜV Rheinland im April 1991 wurde die Zeitschrift eingestellt, zumal es im Westen bereits eine Zeitschrift mit dem Namen "Fotografie" gab.

    Einen Artikel aus der September-Ausgabe von 1985, der sich mit der damals noch zukünftigen OSTKREUZ-Fotografin Ute Mahler und ihrem Langzeitprojekt "Zusammen Leben" beschäftigt, wollen wir hier vorstellen.

    Fotografie

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  • Vor 20 Jahren - 3. Oktober

    Die Wiedervereinigung Deutschlands wurde vor zwanzig Jahren, in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990, nicht nur am Brandenburger Tor begangen: Werner Mahler feierte mit den Bewohnern von Friedrichsthal, einem Ortsteil von Oranienburg.  

    werner mahler
    © Werner Mahler/OSTKREUZ

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  • Vor 20 Jahren - Ute Mahler über Ibrahim Böhme

    Wie schon mehrfach auf diesem Blog, erwähnt feiert OSTKREUZ dieses Jahr sein 20jähriges Jubiläum. Aus diesem Grund wollen wir hier in den nächsten Monaten regelmäßig Einzelbilder von 1990 aus unserem Archiv zeigen, die an eine Zeit des Umschwungs, der neuen Freiheit und der ersten Enttäuschungen erinnern. Eine Zeit in der in Berlin alles möglich schien, nachdem jahrzehntelang das Meiste still stand. Deutschland befand sich damals in der Transformation. Die Mauer war schon gefallen, die Wiedervereinigung stand aber noch bevor. Die DDR existierte zwar noch, aber die ersten Westprodukte kamen schon ins Land und das Volk konnte diese zum ersten Mal frei verlassen.

    Starten wollen wir die neue Rubrik mit einem Beitrag von Ute Mahler über Ibrahim Böhme:


    Im März 1990 fanden die ersten freien Wahlen in der DDR statt. Es wurden neue Parteien gegründet, als Favorit für den Posten des Ministerpräsidenten galt Ibrahim Böhme - er war der Spitzenkandidat der SPD-Ost. Er war charismatisch, klug, charmant und mit der Biografie eines Widerständlers ausgestattet. Unseren kleinen König nannten ihn liebevoll die Genossen von der SPD.


    Das Magazin Stern gab mir den Auftrag, ihn während des Wahlkampfes zu fotografieren. Über einen Zeitraum von 5 Wochen begleitete ich ihn. Nicht kontinuierlich, aber ich war bei der Reise nach Moskau dabei, bei Wahlveranstaltungen in Dresden und beim Parteitag in Leipzig.Die ersten Fotos zeigen noch eine Naivität in seinem Gesicht, später konnte er die neue Rolle fast perfekt spielen.

    Die Wahl haben er und seine Partei zur großen Überraschung nicht gewonnen. Tage darauf wurde bekannt, dass er als informeller Mitarbeiter für die Staatssicherheit der DDR gearbeitet hat und seine Freunde verraten hatte.

    Das Foto im Lift, das ich 5 Wochen nach der ersten Begegnung mit ihm gemacht habe, zeigt ihn am  Ende seiner politischen Karriere. Ibrahim Böhme tauchte ab, verließ nicht mehr die 2-Zimmerwohnung im Hinterhaus in Berlin, wurde krank. Zwischen meinem ersten Foto und dem letzten liegen zwei Jahre. Sieben Jahre später starb er.

    Ibrahim Boehme

    Ibrahim Boehme

    Ibrahim Boehme

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