• Ushuaia - Jugend am Ende der Welt

    Nach zwei Wochen in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt auf Feuerland in Argentinien, kehre ich der Stadt heute den Rücken zu, mit einem Rucksack voll unentwickelter Filme. Ich freue mich auf ein paar Tage ohne warme Socken in Buenos Aires, bevor es wieder zurück in die Kälte nach Deutschland geht.
    Flughafen
    © Jörg Brüggemann/OSTKREUZ

    1975 schrieb Bruce Chatwin in seinem Klassiker der Reiseliteratur "In Patagonien" Folgendes ueber Ushuaia: "Eine offensichtlich kinderlose Stadt, deren Einwohner blau angelaufene Gesichter haben ... und Fremden unfreundliche Blicke zuwerfen." Die blau angelaufenen Gesichter gibt es immer noch, weil das Klima auf Feuerland nicht gerade menschenfreundlich ist. Aber als kinderlos und unfreundlich kann man Ushuaia nicht mehr bezeichnen. Ganz im Gegenteil. Kurz nach Chatwins Besuch wurde eine Freihandelszone eingerichtet, was eine rasante Stadtentwicklung nach sich zog. 1975 lebten hier 7.000 Menschen. Heute sind es knapp 60.000. Es kamen der Arbeit wegen vor allen Dingen junge Familien aus dem Norden Argentiniens, und mit ihnen Horden von Kindern und Jugendlichen, die heute die Straßen und Plätze der Stadt bevölkern.

    Die jungen Menschen prägen das Gesicht der Stadt und sie sind auch der Grund, warum ich hierher gekommen bin, um zu fotografieren. Ich wollte wissen, wie es ist, jung zu sein und am Ende der Welt zu leben.
    Films
    © Jörg Brüggemann/OSTKREUZ
    Selten bin ich so freundlich und offen empfangen worden. Und ich durfte feststellen, dass die Globalisierung auch vor dem Ende der Welt nicht halt macht. Wie überall sonst auch verbringen die Jugendlichen hier täglich Stunden vor dem Computer, hängen mit Freunden in Skateparks rum oder spielen in Rockbands. Wie Bruce Chatwin diese Entwicklung gefallen hätte, weiß ich nicht. Ich jedenfalls habe mich hier ein bisschen wie zuhause gefühlt.