Holzbachtal, nothing, nothing by Sibylle Fendt
Tief im Schwarzwald, im Holzbachtal, liegt die Flüchtlingsunterkunft H8, in der über 20 Jahren lang Geflüchtete untergebracht wurden. Das Holzbachtal ist kein Ort, es ist nur eine Straße, ein Bach, mitten im Wald. Da es keinerlei Verkehrsanbindung gab (lediglich um 7 Uhr fuhr ein Kleinbus zum nächsten Ort und um 19 Uhr wieder zurück), hatten die Betreiber der Unterkunft einigeJahre zuvor beschlossen, nur noch allein reisende Männer dort unterzubringen, da ihnen am ehesten der lange Marsch durch den Wald zum nächsten Dorf zuzumuten war. Der Sozialarbeiter begrüßte die Neuangekommenen mit den Worten „Welcome to the end of the world.“ Der Heimleiter mit den Worten „Stellt euch darauf ein, dass ihr hier zwei Jahre bleibt.“ Die Männer hatten dort nichts zu tun, außer warten, schlafen, kochen, sich mit ihren Handys beschäftigen. Wenn sie Glück hatten, konnten sie nach einigen Monaten einen Integrationskurs in der nächstgrößeren Stadt besuchen. Wenn sich Pech hatten, warteten sie vergeblich darauf. Von Februar 2015 bis zur Schließung im Dezember 2018 besuchte Sibylle Fendt die Männer in regelmäßigen Abständen und blieb meist 3-5 Tage. In den Gesprächen fiel immer wieder ein Wort: Nothing. Dieses Nichts wollte Sibylle Fendt fotografieren.